Die Entwicklung des Internet
| Evolution | Die Zukunft des Internet | |
| ARPA Net | (8 min. flash movie stream) | |
| FTP | ||
| Telnet | ||
| NSF Net - Bit Net | ||
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| IRC - Chat | ||
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| NGI | ||
| 2000+ | www in der Wirtschaft | |
| 2003 | Web 2.0 |
Evolution
1964 publizierte Paul Baran, Ingenieur der RAND Corporation (US Mil.), ein Memorandum über die Verwundbarkeit zentralisierter Netzwerke (wie damals die Telefonnetze), "da die Zerstörung eines einzelnen zentralen Knotenpunkts oder einer Verbindung ausreicht, um die Kommunikation zwischen Endgeräten zu zerstören". Er erdachte ein verteiltes Netzwerk, das auf zentrale Verbindungsstellen verzichtet und ein Netz aus zahlreichen Knoten bildet, die jeweils mit mehreren ihrer Nachbarknoten verbunden sein sollen. Mangels Interesse seiner Auftraggeber stellte er jedoch 1965 seine Forschungen wieder ein.
1968 nahm das US Verteidigungsministerium Forschungen mit WAN Wide Area Network auf, das im Kriegsfall zuverlässige Übertragungen von Kommandoinformationen ermöglichen sollte, selbst für den Fall, dass große Teile des Netzes ausgefallen waren.
ARPA Net
1969 intensivierte ARPA Advanced Research Projects Agency (ebenfalls US Mil.) diese Untersuchungen. Wissenschaftler entwickelten im Auftrag der Militärs ein Übertragungsverfahren, das Computerdaten in kleine Päckchen zerlegt, und diese gelangen oft auf unterschiedlichen Wegen zum Empfänger. ARPA richtete über Mietleitungen ein erstes paketvermittelndes Netzwerk ein.
Neil Amstrong betrat am 21. Juli 1969 um 3.56 Uhr den Mond. Am 2. September 1969 ging in Los Angeles der erste Rechner der ARPA online. Vier Netzknotenrechner standen bis Jahresende in den Universitäten von Los Angeles (UCLA), dem Stanford Research Institute (SRI), der Uni von Santa Barbara (UCSB) und der Uni von Utah. Dieses 'Mikronetz' wurde ARPANET genannt.
1971 wuchs die Zahl der verbundene Computersysteme immerhin schon auf 23 an, 1972 bestand das ARPANET aus 20 Vermittlungsknoten und 50 Hosts. Die ersten Dienste, die zur Verfügung standen, waren Dateitransfer und Terminaldienste, ähnlich dem heutigen Telnet und FTP. Im Jahre 1971 fanden auch die ersten erfolgreichen Versuche mit der elektronischen Post, der Email, statt.
1973 telefonierte man das erste Mal über das Netz und das ARPANET wurde international: England und Norwegen wurden mit je einem Standort angeschlossen.
Am 27. Oktober 1980 kommt das ARPANET wegen einer sich explosionsartig verbreitenden Statusnachricht zum Erliegen – unabsichtlich natürlich. Die Zeit der Plagen durch Würmer und Viren wird erst um die Jahrtausendwende wirklich losbrechen. Das Netz bestand auch erst aus ca. 200 Rechnern, die allerdings von einer großen Anzahl Benutzern verwendet wurden.
Der Grundstein für den Computermassenmarkt wurde im darauf folgenden Jahr gelegt: Am 12. August 1981 brachte IBM einen PC mit dem Betriebssystem DOS der 40-Mann-Firma Microsoft heraus. In den ersten vier Monaten werden 64.000 Stück verkauft, die billigste Konfiguration (Intel 8088 Prozessor mit 4.77 MHz und 16 kB RAM) war ab 1565 US-Dollar zu haben. 1984 brachte Apple den Macintosh auf den Markt.
Email - Electronic Mail
Der Computertechniker Ray Tomlinson, der damals beim privaten Forschungsunternehmen BBN (Bolt, Beranek and Newman) in Cambridge (Massachusetts) mit dem Aufbau des ARPANET beschäftigt war, gilt als Erfinder einer der erfolgreichsten digitalen Entwicklungen. Es gab schon gegen Ende des Jahres 1971 erste Tests, aber Anfang 1972 kamen die von ihm entwickelten Programme (SNDMSG/READMAIL) zum Einsatz, mit denen Textnachrichten bequem über ein Netzwerk verschickt und gelesen werden konnten.
Für eine eindeutige Adressierung war ein Zeichen nötig, das sonst äußerst selten gebraucht wird. Tomlinson entschied sich für das @ Zeichen, das heute ein Symbol der digitalen Kommunikation geworden ist.
Der so genannte 'Klammeraffe' trennt seit 1972 den jeweiligen Benutzernamen vom Namen des benutzten Netzwerk-Servers in jeder Mail und sorgt so für eine eindeutige Identifizierung der Adressen. Tomlinson wählte dieses Zeichen, weil es kein Buchstabe des Alphabets ist und daher vom Computer nicht versehentlich als Teil eines Personennamens interpretiert werden kann.
An der Weiterentwicklung seiner revolutionären Idee war Tomlinson nicht mehr persönlich beteiligt. Er hatte aber die grundlegenden Standards zum Versenden elektronischer Post festgelegt.
Der US-Regierungsangestellte Lawrence Roberts vom Information Processing Techniques Office entwickelte zusammen mit Steve Crocker dann 1972 Readmail weiter zu dem Programm RD. Mit RD war die Verwaltung von E-Mails möglich. Über den Header ließen sich Mails nach Betreff und Datum in Ordner sortieren, die Mails konnten auch in beliebiger Reihenfolge heruntergeladen und beantwortet werden.
Barry Wessler wiederum entwickelte RD zu NRD weiter und fügte unter anderem einen selektiven Befehl zum Löschen unerwünschter Post hinzu. 1975 richtete Steve Walker die erste Email Verteilerliste ein. In dieser Verteilerliste regt Kevin Mackenzie am 12. April 1979 an, mehr Emotionen in die trockenen Texte zu bringen, indem man -) scherzhaften Aussagen nachstellt. Doch erst am 19. September 1982 schlägt Scott Fahlman die Verwendung von :-) und :-( vor – die "Emoticons", wie man sie heute kennt. Ein Durchbruch gelang Eric Allman mit der Programmierung der Software Sendmail im Jahr 1981. Damit war es erstmals möglich, Nachrichten mit einem Mailprogramm gleichzeitig in verschiedene Netze zu versenden.
Die Email Kommunikation basiert heute auf drei Protokollen: SMTP zum Versenden und POP und IMAP zum Empfangen von Nachrichten. Der heutige Erfolg der Email war 1971 noch nicht absehbar, Tomlinsons Erfindung machte nur wenige Schlagzeilen.
FTP - File Transfer Protocol
1971 war auch die Geburtsstunde von zwei enorm wichtigen Protokollen, die für die Grundanwendungen des Arpanet benötigt wurden: Telnet und FTP.
Einer der Grundpfeiler des Arpanet und später des Internet (zB. der Dienst mit dem höchsten Datenverkehr bis 1995), war das File Transfer Protocol (FTP). Mit FTP ist es möglich, Dateien (Daten, Text, Programme usw.) von einem Computer über das Netzwerk zu einem Anderen zu übertragen, auch wenn die Computer verschiedene Betriebssysteme und Verzeichnisstrukturen haben.
Es gibt identifiziertes und anonymes FTP: bei identifiziertem FTP muß man als Benutzer des FTP-Servers registriert sein und einen Usernamen und ein Paßwort besitzen, um Dateien übertragen zu können.
Bei anonymem FTP reicht als Username die Bezeichnung 'anonymous' und als Passwort wird meistens die Email Adresse abgefragt. Anonyme FTP-Server stellen einen riesigen Informations- und Dateienpool dar, auf den jeder zugreifen kann.
Telnet - Terminal over Network
Mit Telnet ist es möglich, auf entfernte Computer so zuzugreifen, als ob man direkt vor ihnen sitzen würde und das Terminal, auf dem man schreibt, direkt mit dem entfernten Computer verbunden wäre.
Diese Technik, auch als Remote Login bezeichnet, ermöglicht es, alle Kommandos auszuführen, die auch an einem Terminal möglich wären, das direkt an den entfernten Computer angeschlossen ist. Es wird üblicherweise dazu verwendet, Benutzern den Zugang zu Internetrechnern über die Kommandozeile zu bieten.
Telnet ist ein Client-Server-Protokoll, es verwendet TCP und die Clients verbinden sich meistens über Port 23 mit dem Zielrechner. Es ist ebenfalls möglich mit einem Telnetprogramm eine interaktive TCP Verbindung zu einigen anderen Internetservices aufzubauen, beispielsweise eine Verbindung über Port 25, wo sich meistens ein SMTP Server befindet, um Fehler in einem Emailserver zu finden.
Für Netzwerkadministratoren ist Telnet ein nützliches Werkzeug. Damit kann man feststellen, ob eine TCP/IP-Verbindung über einen bestimmten Port zustande kommt oder ob dieser Port zB. von einer Firewall geblockt ist. Sicherheitsexperten lehnen dieses Protokoll jedoch inzwischen ab.
Zusätzlich zu den vorhandenen Sicherheitslücken in Telnetservern, gibt es noch das Problem, dass Daten (zB. Passwörter) nicht verschlüsselt werden. Daher kann jeder, der dazu in der Lage ist, die Verbindungsdaten einsehen, somit auf einfache Weise vertrauliche Daten mitlesen und Zugriff auf die Verzeichnisse des Benutzers auf dessen Zielrechner erlangen.
Da der Einsatz des Telnetprotkolls solche Risiken birgt, wird heute statt dessen meist das 1998 veröffentlichte, sichere und funktionale Protokoll SSH verwendet. Viele Sicherheitsexperten empfehlen den Einsatz von Telnet für remote logins unter allen Umständen gänzlich einzustellen.
NSFNet und BitNet - Because It´s Time Network
1973 wurden die ersten europäischen Großrechner (Mainframes) in den Verbund eingegliedert. In der Zwischenzeit entstanden weitere Netzwerke, beispielsweise das Bitnet, das NSFNET oder das von der Firma IBM geförderte Netzwerk EARN.
In den 80er Jahren baute die amerikanische NSF (National Science Foundation) an fünf großen Universitäten ein Netzwerk auf der Basis von Supercomputern auf. Eigentlich sollten diese über das Arpanet verbunden werden, was aber auf Grund des großen bürokratischen und technischen Aufwands scheiterte. Stattdessen wurde ein eigenes Netzwerk eingerichtet, das NSFNET.
1983 übernahm die DCA Defense Communications Agency die Verwaltung des Arpanet und fasste alle militärisch relevanten Teile im MILNET zusammen. Dieses Teilnetz wurde durch streng kontrollierte Gateways vom restlichen Arpanet abgeschirmt. Mitte der Achtziger wurden dann Arpanet und NSFNet zusammen geschlossen - ein internationales Netz war geschaffen: das InterNet.
BitNet ist ein Internationales Netz, das vor allem Hochschul- und Forschungseinrichtungen der USA mit dem europäischen EARN verbindet. Es gehört aber nicht zum Internet, Übergänge dorthin sind zB. per Email möglich.
TCP/IP - Transmission Control Protocol/Internet Protocol
Viele unterschiedliche Netze bringen auch viele unterschiedliche Übertragungsverfahren mit sich. Man brauchte einen Standard, der alle Rechner miteinander verbinden konnte.
1974 legten Vincent Cerf (Stanford Univ.) und Robert Kahn (DARPA) erstmals die Grundzüge der TCP/IP Architektur dar. Ihr Ziel war, ein Protokoll zu schaffen, das Verbindungen zwischen unterschiedlichen Rechnern in verschiedenartigen Netzwerken unterstützt. TCP/IP ist seitdem als Standard akzeptiert.
Ein Netzwerkprotokoll ist nichts weiter als das Übertragungsverfahren für die Daten im Netz, die technische Grundlage für das Funktionieren. TCP zerlegt die Daten in einzelne Pakete, die nummeriert werden und eine Prüfsumme erhalten. IP regelt die "Zustellung" der Datenpakete anhand der Zieladressen.
Die Basis für die logische Struktur des Internet bildet diese 'Protokoll-Familie' und das hinter den Protokollen stehende 'Vier Schichten Modell' der Kommunikation zwischen zwei Rechnern.
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Rechner A
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Rechner B
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| V Anwendungsschicht V V V |
Telnet
FTP SMTP HTTP |
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Telnet
FTP SMTP HTTP |
Anwendungsschicht /\
/\ /\ /\ |
| V Transport Schicht V |
UDP
TCP |
<-->
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UDP
TCP |
Transport Schicht /\
/\ |
| V Internet Schicht V |
IP
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<-->
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IP
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Internet Schicht /\
/\ |
| V Netzzugangsschicht |
---->
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---->
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Netzzugangsschicht /\
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Usenet und NNTP - Network News Transfer Protocol
Das Usenet entstand 1979 als Verbindung zwischen der Duke Universität und der Universität von North Carolina. Es geht zurück auf die Initiative zweier Studenten, welche die Möglichkeit ausnutzten, zwei Unix-Rechner über das zum Betriebssystem gehörige Softwarepaket UUCP (unix-to-unix-copy) miteinander zu verknüpfen. Daraus wurde ein Konferenzsystem, das über seinen Namen - Unix User Network - eine gewisse Selbstbezogenheit reflektierte.
1980 wurde ein Band mit einer Zusammenstellung der für das Usenet notwendigen Software auf einer Konferenz von Unix-Benutzern verteilt. Das UUCP-Protokoll war darauf ausgelegt, Rechner über Modem und Telefonleitung zu verbinden. Bei der um 1980 üblichen Bandbreite von 60 - 120 Bits/Sekunde stellten Telefonkosten einen nicht unerheblichen Faktor dar, der auf die Gestalt des Netzes Einfluß nahm.
Ab 1983 wurden die zentralen Rechner des Usenet unter der Bezeichnung 'Backbone' zusammengefasst. Deren Administratoren standen untereinander in Kontakt und hatten erheblichen Einfluß auf die thematische Struktur des Usenet, den Newsgroups. Die Machtposition der Backbone-Administratoren erlaubte es, Entscheidungen nach eigenem Gutdünken vorzunehmen, denn nur deren Übereinstimmung konnte dafür sorgen, daß eine Nachrichtengruppe über das ganze Netz verteilt wurde.
Diese Topologie des Usenet als ein dezentralisiertes Netzwerk hatte mindestens bis 1986 Bestand. Newsgroups waren lange Zeit neben Email und Dateitransfer eine der Hauptanwendungen im Internet.
Ab 1987 wurde das Prinzip des Backbones an verschiedenen Stellen durchlöchert: Die alt-Hierarchie wurde zur Verfügung gestellt, die Einrichtung neuer Nachrichtengruppen wurde formalisiert und quasi demokratischen Regeln unterworfen. Außerdem wurde 1986 das Network News Transfer Protocol (NNTP) veröffentlicht, das es ermöglichte, Usenet-Mitteilungen über das Internet zu transportieren. Mit der Überlagerung von Usenet und Internet, wie es NNTP erlaubte, übernahm das Usenet auch die Eigenschaft der Ausfallsicherheit.
Bezogen auf die inhaltliche Ordnung hieß das: Eine effektive Kontrolle von zentralen Stellen war nicht mehr möglich, denn in einem verteilten Netz können Knoten, die bestimmte Gruppen nicht führen, umgangen werden.
IRC - Internet Relay Chat
1988 entwickelte Jarkko Oikarinen, ein Student der Universität von Oulu (Finnland) für sein privat betriebenes Bulletin Board System (BBS) einen interaktiven Kommunikationsdienst: Internet Relay Chat. Im Gegensatz zu talk, einem Dienst, der meist unter UNIX-ähnlichen Betriebssystemen zu finden ist und nur eine Kommunikation zwischen zwei Menschen erlaubt, war es mit diesem neuen Dienst möglich, mehrere Benutzer miteinander kommunizieren zu lassen.
Nach einem erfolgreichen Einsatz innerhalb des Bulletin Board Systems und der Erweiterung zu einem eigenständigen Programm wurde das zugrundeliegende Protokoll so erweitert, daß mehrereServer untereinander ihre Informationen austauschen konnten.
Auf diese Weise begann der neue Kommunikationsdienst seine Karriere als Internet Relay Chat (IRC) in dem ersten IRC-Netzwerk, das aus drei finnischen Servern bestand. Nachdem Finnland Ende 1988 ans Internet angeschlossen war, sorgte der IRC auch in den Vereinigten Staaten für Furore.
Mehrere IRC-Netze entstanden, unter denen auch das AnarchyNet zu finden war. Das AnarchyNet bildete sich um einen Rechner namens eris.berkeley.edu, der zur Universität von Kalifornien in Berkeley gehörte. Hier wurde versucht, ein IRC-Netzwerk zu betreiben, daß keinerlei Regeln für eine geordnete Kommunikation seitens der Administratoren vorsieht, wie sie gewöhnlich für heutige öffentliche IRC-Netze existieren. Um sich von dem AnarchyNet und dessen Regellosigkeit zu distanzieren, nannte sich das größte, damals überbleibende IRC Netz Eris-Free-Network, was im Laufe der Jahre zu EFNet abgekürzt wurde.
Einige Ereignisse in der Vergangenheit trugen in besonderem Maße zur Popularität des IRC bei. Während des Golfkrieges im Jahr 1991 waren die aktuellsten Berichte über den Verlauf des Krieges über den IRC erhältlich. Ein ähnliches Szenarium spielte sich im September 1993 ab, als gegen das sowjetische Staatsoberhaupt, Boris Yeltsin, geputscht wurde. IRC Benutzer aus Moskau erzählten live von den dortigen Ereignissen.
Vom Beginn des internationalen Einsatzes des IRC bis zur Gegenwart stieg die Anzahl der IRC-Benutzer kontinuierlich an. Ende 1989 wurden an den Universitäten Erlangen, München, Freiburg und Karlsruhe eigene deutsche IRC-Server gestartet und an das EFnet angeschlossen. Das Datenaufkommen des IRC hat sich in der Vergangenheit in jedem Jahr mindestens verdoppelt. Dabei kam es vor, daß einige IRC-Netze so groß wurden, dass sie das Datenaufkommen nicht mehr bewältigen konnten. In einer solchen Situation teilen sich IRC-Netze und bilden auf diese Weise mehrere kleinere IRC-Netze.
Bis heute haben sich aus dem damaligen EFnet, bei dem 200 Benutzer noch eine Seltenheit waren, vier große internationale IRC-Netze gebildet. Jedes einzelne von ihnen beherbergt heute je nach Tageszeit zwischen 10000 und 40000 Benutzer. Die Anzahl kleinerer IRC-Netzwerke ist heutzutage nicht mehr zu überschauen. -> efnet.net -> efnet.org
WWW - World Wide Web
1981 brach das Internetzeitalter endgültig an, als am 1. Jänner 1981 ARPANET auf das TCP/IP Protokoll umschaltete, so wie es noch heute in Verwendung ist. Manche Menschen sehen dieses Datum als die wahre Geburtsstunde des Internet an.
Ebenfalls in diesem Jahr wurde das Domain Name System eingeführt (bis dahin wurden nur numerische IP-Adressen verwendet) und am 15. März 1985 die erste Domain, "symbolics.com", registriert. Gratis natürlich, und für die nächsten zehn Jahre blieb die Registrierung von dot.com Domains kostenfrei.
In Österreich bot die Uni Wien erstmals 1986 Email über interne Systeme allgemein an. 1988 wurde die Domain ".at" registriert.
1989 schenkte der Brite Tim Bernes Lee, Kernphysiker und Computerspezialist am Kernforschungszentrum CERN in der Schweiz, der Welt das World Wide Web, das "weltweite (Spinnen)netz". Tim Bernes Lee entwickelte eine Sprache, mit der man Informationen auch grafisch darstellen kann, HTML Hyper Text Markup Language genannt. Mit der Progammiersprache HTML ermöglichte er auch, dass man von einer zur nächsten Seite navigieren kann (Hyperlinks).
Gleichzeitig schaffte er die Voraussetzungen dafür, dass diese Seiten auf dem Monitor dargestellt werden konnten, dafür sorgte ein Anzeigeprogramm namens "Browser"(engl. browse: blättern, stöbern). 1990 bestand das Internet bereits aus 3000 Teilnetzen mit über 200.000 Hosts.
1990 bot der erste kommerzielle Internetprovider "TheWorld" in den USA Interneteinwahl an. Die Uni Wien wurde am 10. August als erster österreichischer Knoten mit einer permanenten Leitung (64 kbps) an das weltweite Internet angeschlossen. EUnet folgte ein Jahr später als erster kommerzieller Internet Provider (ISP) Österreichs, zu diesem Zeitpunkt gab es bereits 1077 österreichische Rechner im Internet.
Allerdings hatte dieses Netz noch wenig mit dem Internet zu tun, das wir heute kennen. Es gab keine Browser, weil kaum grafische Benutzeroberflächen verbreitet waren. Bis dahin war das Internet "nur" ein Netzwerk aus Netzwerken, in dem man Computer fand und weltweit Datenpakete per FTP austauschen konnte. Im World Wide Web hingegen fand man Dokumente, es wurde ein abstrakter Informationsraum, der das Internet auch für Leute nützlich machte, die sich nicht für Computer, sondern für Informationen interessieren.
Dafür war aber eine grafische Benutzeroberfläche notwendig. Ein System wurde zwar schon 1972 von Xerox unter dem Namen "Alto" entwickelt, aber einer breiten Masse zugänglich wurde es erst mit Microsoft Windows 3.0, das am 22.5.1990 erschien. Das Internet war dabei noch kein Thema. Bill Gates sagte selbst 1993: "Das Internet interessiert uns nicht, es gibt einen Markt von vielleicht 150 Benutzern."
Marc Andreessen veröffentlichte am 21. April 1993 den ersten integrierten grafischen Browser Mosaic, zuerst für Unix-Systeme, später auch für Apple Macintosh und Microsoft Windows. Auf ihm basieren sowohl der Internet Explorer als auch Netscape. Durch die Integration von Bildern und bunten Texten machte Mosaic das Netz auch für Laien zugänglich und populär. Im Internet gab es schon zwei Millionen Rechner und immerhin 130 Webserver. Explosionsartig entstanden so ab Mitte der 90er Jahre bunte, bilderreiche Webseiten, die kinderleicht mit der Maus zu bedienen sind.
1994 hatte sich die Anzahl der Rechner auf vier Millionen verdoppelt und die Anzahl der Webserver stieg sprunghaft auf 2738. Yahoo organisierte das Web mit thematisch geordneten Linklisten und Windows 3.11 ermöglichte mit einer Zusatzsoftware nach einigem Konfigurationsaufwand den Zugang zum Internet. Erstmals gab es mehr kommerzielle als wissenschaftliche Nutzer.
Die Rechtsanwaltskanzlei Canter & Siegel machte sich das zu Nutze und überschwemmte am 5. März 1994 das Usenet mit Werbesendungen zur Greencard-Lotterie: die Geburtsstunde des "Spam", der dazu geführt hat, dass heute der Großteil des Emailverkehrs von unerwünschter Werbung stammt. Microsoft Windows 95 bescherte uns den ersten Browser von Microsoft, den Internet Explorer 1.0 und Netscape brachte seinen Navigator ins Spiel.
1998 wurde Netscape von AOL aufgekauft. Der Browser wurde ab Januar 1998 kostenlos zur Verfügung gestellt. Der in der Entwicklung stehende Netscape Communicator 5.0 wurde dann als freie Software herausgegeben, der Quellcode wurde aber nie veröffentlicht. Die Arbeit für den Netscape 5.0 sollte nicht umsonst gewesen sein und so gründete man das Projekt "Mozilla" als freies Software-Projekt, das allen zur Verfügung stehen sollte. Aus dem Mozilla Projekt wurde der Mozilla Browser.
Schnell aber erwies sich der Quellcode des Mozilla Browsers als zu aufgebläht und zu umständlich als Open-Source-Projekt und so entwickelte sich eine schlanke und abgespeckte Version mit dem Namen Phoenix (Browser) und Minotaur als Email Client.
BIOS - Hersteller Phoenix legte aus markenschutzrechtlichen Gründen gegen die Namensgebung Widerspruch ein. Aus diesem Grund entschloss man sich, den Phoenix-Web Browser in "Firebird" umzutaufen und der Email Client sollte zukünftig "Thunderbird" heißen. Letztendlich heisst der Browser "Firefox" und wird dieser Tage in der neuen Version 3 zum download angeboten.
Mit bis dato über 500 Millionen Downloads weltweit hat der Mozilla Firefox Browser Microsofts Internet Explorer auf den zweiten Platz verdrängt, Opera rangiert weit abgeschlagen an dritter Stelle.
Internet2 NIG - Next Generation Internet
Das Internet2 ist das Ergebnis aus einem Zusammenschluß von 115 US-amerikanischen Universitäten und Krankenhäusern.
Das neue Netz - auch "Next Generation Internet" (NGI) genannt - verfügt über eine Bandbreite von 2,4 GBit/s (ca. 141 GB pro Minute) - ein 100faches des bisher im Internet üblichen. Durch dieses Projekt sollte der reibungslose Datenaustausch zwischen den Unis wieder gewährleistet werden.
Dank der hohen Transferraten wurde es damit etwa möglich, daß ein Arzt über das Netz live eine Operation verfolgt und beratend eingreifen kann. Finanziert wurde das Internet2 durch private Investoren und Universitäten. Ein Teil der Grundlagenforschung wird von der amerikanischen Regierung bezahlt.
In der Aufbauphase (ab 24. April 1998) stützten sich die Macher zunächst auf den "Very High Performance Backbone Network Service" (VBNS) von MCI. Mit einer Bandbreite von 622 MBit/s (ca. 4,6 GB pro Minute) dient es den Universitäten bis zur Fertigstellung des zweiten Internets. Es integriert Sprach-, Daten-, Audio- und Videodienste und soll Tele-Medizin und Tele-lernen im breiten Umfang bereitstellen sowie Multicast-Inhalte bieten.
Die Verbreitung des World Wide Webs vollzieht sich in einer selbst für computerhistorische Verhältnisse atemberaubenden Geschwindigkeit. Zwar stieg die Bedeutung des Internet schon im Verlauf der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts, als das World Wide Web noch nicht erfunden war, stetig an, dennoch war das Internet weitgehend immer noch eine eher universitäre und wissenschaftliche Bastion. Die änderte sich, als das World Wide Web seine ersten Schritte außerhalb des CERN machte, sich Administratoren im Internet an die frei verfügbare WWW-Software wagten und die Basis für Web-Angebote bildeten.
Existierte Ende 1990 erst genau ein Webserver im Internet, nämlich auf dem Rechner von Tim Berners-Lee am CERN, und Ende 1995 schon immerhin knapp über 10.000 Rechner. Wiederum fünf Jahre später waren es Ende 2000 schon über 25 Millionen Webserver. Noch mal fünf Jahre später, Ende 2005, zählte man im Internet schon die dreifache Zahl davon, nämlich knapp 75 Millionen Webserver. Und die Tendenz ist weiterhin nahezu ungebrochen steigend.
Der Internet-Boom in der Wirtschaft
Das Internet etablierte sich in der Wirtschaftswelt nur langsam. Großunternehmen erkannten die Zeichen der Zeit am ehesten, in dem Sie die E-Mail und die Firmen-Homepage als neue Kommunikationsform in ihre Unternehmensprozesse integrierten. Besonders Versandhäuser und Zeitungen implementierten sehr schnell entsprechende Schnittstellen und konnten ihre Waren und Dienstleistungen problemlos auch über das Internet anbieten.
Lange Zeit sehr unbeholfen stand der Mittelstand dem Internet gegenüber. Die Registrierung einer eigene Domain, das Erstellen einer Firmen-Homepage und die Versorgung der Mitarbeiter mit eigenen E-Mail-Adressen verlief bei den meisten Mittelständlern deutlich später und langsamer, was vor allem seine Gründe in fehlendem Personal hat, das entsprechende Entwicklungen in der Branche hätte beobachten und bewerten können.
Mittelständler, die schon frühzeitig den Schritt ins Internet wagten, konnten schon in den frühen Jahren des World Wide Web Erfolge in Form von internationalen Geschäftsabschlüssen ernten, die nur dadurch entstehen konnten, dass ihre Produkte durch eine Homepage schlagartig einem weltweiten Publikum präsentiert werden konnten. Ein alter Bekannter erlebte wieder eine Renaissance, der elektronische Handel, neudeutsch nun E-Commerce genannt. War das elektronische Einkaufen per Bildschirm bis dato weitgehend nur über das veraltete Bildschirmtext möglich, eröffnete das Internet und das World Wide Web ganz andere Präsentationsmöglichkeiten.
Die Dot-Com-Blase
Das World Wide Web und die nahezu phantastischen und grenzenlosen Kommunikationsmöglichkeiten beflügelte eine ganze Schar von Visionären, gestandenen Geschäftsführern und Investoren. Besonders die Möglichkeiten, Geschäftsprozesse über das Internet abzuwickeln, boten Raum für Unternehmenskonzepte. Die Begriffe B2B ("Business-To-Business") und B2C ("Business-To-Customer") zeigten die Marschrichtung des neu aufkeimenden Wirtschaftsbereich, der New Economy. Neugründungen, so genannte Start-Ups, schossen aus dem Boden und das Kürzel ".com" wurde als Dot-Com ein Markenzeichen der Branche. Selbst eingesessene Computerunternehmen wie Hewlett-Packard und IBM wirkten im Vergleich zur Vitalität und Kreativität der New Economy wie Unternehmen aus einer alten Zeit und genau dies galt als Motto der neuen Szene. Die "Jugend" war auf dem besten Wege, die alteingesessenen Unternehmen dank Kreativität und Ideenreichtum zu übertrumpfen.
Als einer der ersten großen Unternehmen in der New Economy gilt der Suchmaschinenbetreiber Yahoo. Yahoo wurde 1994 von den damaligen Stanford-Studenten Jerry Yang und David Filo als privates Projekt gestartet. Sie sammelten interessante Hyperlinks im World Wide Web und legten diese hierarchisch auf ihrem Webserver ab. Ende 1994 wurde der Risikokapitalgeber Sequoia Capital auf das Projekt aufmerksam und investierte 1 Million US-Dollar in Yahoo, so dass Yahoo im April 1995 als Unternehmen gegründet werden konnte. Bereits ein Jahr später wurde Yahoo an der Börse notiert.
Diese sagenhafte Karriere beflügelte viele Unternehmer, mit ihren Konzepten Risikokapital anzunehmen, das plötzlich in Hülle und Fülle bereitstand. Es entstanden so schillernde Unternehmen wie 1994 der Buchversender Amazon.com, 1995 das Online-Auktionshaus eBay, 1999 das exklusive Online-Kaufhaus Boo.com und viele mehr. Auch in Deutschland entstanden auf diese Weise Unternehmen, beispielsweise 1995 der Online-Shop-Hersteller Intershop, 1993 die Multimedia-Agentur Kabel New Media. In den Boomzeiten ab 1998 bildeten sich innerhalb kürzester Zeit eine Schar von neuen Unternehmen, die neben sehr viel Startkapital meist eines nicht hatten: Ein tragfähiges Unternehmenskonzept. Ein glorreiches Beispiel einer verfehlten Unternehmenskonzeption war beispielsweise das deutsche Startup-Unternehmen Snacker.de: In einer fast schon pompösen Veranstaltung wurde Mitte Mai 2000 das Unternehmenskonzept vorgestellt - Eine einheitliche Plattform zur Recherche nach Fast-Food-Ketten und Imbissstuben. Dem nicht genüge: Man wollte zudem eine Online-Bestellmöglichkeit schaffen, damit der Hungerverspürende gleich online bei seiner Lieblingsimbissbude reservieren konnte. Dass dieses Konzept fundamental am Bedarf vorbeiging, zeigte sich durch die Pleite, genau ein Jahr nach der Vorstellung des Unternehmens im Mai 2001.
Es bildeten sich Szenen, die teilweise an Skurrilität und Albernheit kaum zu überbieten waren: Startup-Unternehmen wurden von Risikokapitalgebern mit sagenhaft viel Kapital ausgestattet, obwohl viele der zugrunde liegenden Unternehmenskonzepte keiner fundierten Analyse standgehalten hätten. Neue Mitarbeiter wurden ohne besondere Vorkenntnisse eingestellt, Kundenprojekte haarscharf an der Rentabilität kalkuliert, Dienstleistungen im Internet kostenlos angeboten, ohne reelle Pläne, irgendwann mustergültigen Umsatz mit der Dienstleistung zu generieren. Stattdessen wurde in viele solcher Startup-Unternehmen weiteres Risikokapital gepumpt, weil viele an die quietschbunte Branche glaubten und den Rubel vermeintlich rollen sahen. Es verbreitete sich eine fast surreal wirkende Leichtgläubigkeit und Unfehlbarkeit, die bezeichnend für die gesamte Branche wurde. Börsengänge fanden im Wochentakt statt und wurden als triumphale Meilensteine gefeiert. Die Börsen honorierten dies mit der Einrichtung von eigenen Technologieindizes, beispielsweise dem NEMAX an der Deutschen Börse.
Der unbeschwerte Glaube an die New Economy führte zu teilweise völlig absurden Entwicklungen in der Börsenwelt: Im Jahre 2000 hatte beispielsweise Yahoo mit 2.300 Beschäftigten einen Börsenwert von über 79 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Konzern DaimlerChrysler hatte zu diesem Zeitpunkt weltweit 467.900 Beschäftigte und einen Börsenwert von "nur" 57 Milliarden Euro. Fast einer Krönung gleich kam im Jahr 2000 die Fusion zwischen dem Online-Dienst AOL und dem Unterhaltungskonzern Time Warner zum neuen Mediengiganten AOL Time Warner. Die Branche schwelgte förmlich in einer Selbstgefälligkeit und alles, was auch nur im Entferntesten mit dem Internet zu tun hatte, ritt auf der Welle mit. Selbst althergebrachte Unternehmen wie die Deutsche Telekom, 1995 in die Börse eingeführt, erlebten in diesen Zeiten Höhenflüge ihrer Aktienkurse.
Es kam jedoch, wie es kommen musste: Viele Unternehmen verloren im Laufe des Jahres 2000 bei einigen Analysten, längst überfällig, das Vertrauen in ihre Konzepte und ihren unternehmerischen Fähigkeiten. Viele Start-Up-Unternehmen hatten dank ihres nicht tragfähigen Unternehmenskonzept schon bei ihrer Gründung keine sonderlich guten Erfolgsaussichten, wurden von Risikokapitalgebern dennoch stetig mit utopisch hohem Kapital ausgestattet. Dies quittierten viele Analysten mit negativen Unternehmensbewertungen und brachten so das Schiff ins Schlingern. Ein Dominoeffekt ohne Gleichen entstand, denn diese Verunsicherung setzte ab dem Jahr 2000 die gesamte New Economy unter Druck. Bis dato hoch bewertete Unternehmen wurden gnadenlos abgewertet, die Kapitalgeber, Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden wurden aufgrund der Milliardenverluste über Nacht, unruhig und reagierten panisch. Das Unternehmen Boo.com, 1999 noch mit unglaublichen 120 Millionen US-Dollar Risikokapital ausgestattet, legte im März 2000 die Pleite des Jahres hin. Mit einem am Kunden vorbeigeplanten Unternehmenskonzept, technischen Anforderungen der Website, die 90 % der Kundschaft gar nicht erfüllen konnte und einer katastrophalen Finanzpolitik, bestätigte diese Pleite die Befürchtungen aller und die Teufelsspirale kam immer mehr in Gang.
Im Laufe des Jahres 2000 und 2001 erlebte die Wirtschaft das qualvolle Sterben eines ganzen Wirtschaftszweiges, der noch Monate zuvor frenetisch gefeiert wurde und vor allem sich selbst am meisten feierte. Unternehmen, deren Finanzmittel erschöpft waren, konnten nun plötzlich nicht mehr auf das bisher immer bequem nachgepumpte Risikokapital zurückgreifen und kamen innerhalb kürzester Zeit in akute Finanznöte. Geschäftspolitische Fehlentscheidungen taten in solch kritischen Unternehmenssituationen dann ihriges, um manch eine Unternehmenspleite innerhalb ein, zwei Monate auszulösen. Aber auch Startup-Unternehmen, die bereits tragfähige Einnahmen vorweisen konnten, kamen dank der allgemeinen Vorsicht der Anleger und auch der Kunden in teilweise sehr schwere Turbulenzen und mussten erheblich Federn lassen.
Der Abwärtstrend der New Economy hielt noch mehrere Jahre an und wurde durch die Attentate des 11. Septembers 2001 und der weltweiten wirtschaftlichen Rezession weiter angetrieben. Noch weit im Jahre 2002 und 2003 brachen Unternehmen zusammen, die die Durststrecke trotz hartem Konsolidierungskurs nicht überlebten. So manch Unternehmersohn überließ in dieser harten Zeit buchstäblich dem erfahrenen Vater das Steuer, um das Unternehmen zu sanieren - auch weil so manch Vater um sein in das Unternehmen eingebrachte Kapital fürchtete und die völlige Katastrophe abzuwenden versuchte.
Andererseits sorgte die Dot-Com-Blase dafür, dass die Internet-Branche grundlegend eine Säuberung erhielt und nun auch hier Konzepte objektiv betrachtet wurden. Die Branche war befreit von vielen Schaumschlägern und Trittbrettfahrern, die nur auf der Suche nach dem schnellen Geld waren und oft jegliche Vernunft dabei ablegten.
Web 2.0
Der Begriff Web 2.0 beschreibt eine Sammlung von neuen Web-Technologien und deren Anwendungsmöglichkeiten. Oft wird der Begriff auch als Familienbegriff für konkrete Anwendungen verwendet, die Web-2.0-Technologien nutzen. In vielen Beschreibungen von Web 2.0 wird auch von einer "anderen Form der Wahrnehmung des Web und des Internet" gesprochen.
Letzteres ist vermutlich auch einer der stärksten Fokuspunkte von Web 2.0, vor allem, wenn man die Herkunft des Begriffes "Web 2.0" betrachtet: Der Begriff wurde als Titel einer Konferenzreihe vom US-Fachbuchverlag O'Reilly und des Konferenzveranstalters MediaLive International erfunden, um damit eine Reihe von Fachkonferenzen zu neuen Web-Technologien zu betiteln.
Gesellschaftliche Auswirkungen von Web 2.0
Das Konzept des User-Generated-Content wird von vielen Experten als Revolution in der Medienlandschaft gefeiert. "Das hier ist eine wirklich demokratische Unterhaltungsform", sagt beispielsweise Chad Hurley, Gründer von YouTube, einer Website, über die jeder sein Videomaterial kostenlos veröffentlichen kann. Auf diese Weise sind in kürzester Zeit Millionen Videos zusammengekommen, die in den meisten Fällen belanglos und langweilig sind. Andererseits finden sich darin auch Videos wie beispielsweise das sechsminütige Tanz-Medley eines semiprofessionellen Alleinunterhalters namens Judson Laipply, das innerhalb weniger Monate über 30 Millionen Mal abgerufen wurde. Zweifellos ist es so, dass die Web 2.0-Philosophie viele bisherige Medienkonsumenten auch in die Lage versetzt, mit geringstem Aufwand zu Anbietern zu werden und eigene Inhalte zu produzieren und zu liefern. Die Medienlandschaft wandelt sich stetig: Anstatt weniger Sender und vieler Empfänger gibt es immer mehr Sender für viele Empfänger.
Eine Bedrohung vor allem für Medienunternehmen und -konzerne, die bereits auf ihre Weise versuchen, dies zu nutzen. Als Beispiel angeführt sei die Online-Community MySpace.com, die ihren Mitgliedern eine Plattform zur Selbstdarstellung bietet: Im Juli 2003 gegründet, wurde die Plattform zwei Jahre später für einen Kaufpreis von sagenhaften 580 Millionen US-Dollar vom amerikanischen Medienunternehmer Ruperd Murdoch und seinem Medienkonzern News Corporation aufgekauft. Ein Jahr später, im Juli 2006, hat MySpace.com 93 Millionen Mitglieder und gehört zu den fünf Top-Websites weltweit.
Es ist tatsächlich durchaus zu bezweifeln, ob User-Generated-Content tatsächlich einmal journalistische Arbeit ersetzen kann. Journalismus lebt davon, ein bestimmtes Thema intensiv zu beleuchten, Argumente zu recherchieren, Thesen und Antithesen zu bilden. Derartige redaktionelle Arbeiten erfordern entsprechende Ausbildungen und auch entsprechenden Arbeitsaufwand in der Erstellung entsprechender Inhalte. Sicherlich ist es keine Frage, dass viele Inhalte keine sonderlich hohen, journalistischen oder redaktionellen Anspruch haben, allerdings bleiben diese Inhalte meist auch auf geringen Schöpfungshöhen und dienen maximal dazu, den Urhebern bzw. Protagonisten derartiger Inhalte, die vielbeschworenen 15 Minuten Ruhm einzuräumen, die Andy Warhol in einem berühmten Zitat einst im Bezug auf die Mediengesellschaft beschrieben hatte. Andererseits liegt genau hier der Kern der Faszination: Jeder kann eigene Inhalte beisteuern, unkompliziert einer größeren Öffentlichkeit präsentieren, dazu Feedback bekommen und das alles weitgehend grenzenlos (abgesehen von strafrechtlichen Grenzen).
Betrachtung aus der Sicht des "alten" Web
Um die Ideologie von Web 2.0 lohnt sich eine Sicht auf das "alte" Web oder das "Web 1.0", wie sie von Protagonisten der Web-2.0-Szene gern angeführt werden. Das alte Web wurde vor allem weitgehend zur Ein-Weg-Kommunikation, also zu einer einbahnstraßenartigen Kommunikation vom Sender zum Empfänger, genutzt. Beispiel hierfür sind auch heute noch die Web-Auftritte vieler Unternehmen, die nur Informationen vom Unternehmen zum Besucher liefern und dem Benutzer weitgehend keine Interaktion mit dem Unternehmen oder anderen Benutzern ermöglichen, außer über einen Medienbruch in Form von E-Mails an eine zentrale Empfängeradresse (die möglicherweise dann gar nicht bearbeitet wird, weil sich niemand im Unternehmen dafür zuständig fühlt).
Web 2.0 geht mit der Sicht heran, dass der Besucher bzw. Benutzer einer Website aktiv an der Darstellungsform und am Inhalt einer Website mitarbeiten kann, es also funktionale Mechanismen gibt, die eine echte zweiseitige, eine Zwei-Wege-Kommunikation ermöglichen. Der Benutzer ist nicht mehr nur ein einfacher Betrachter, sondern im Idealfall ein direkter Gestalter einer Website. Diese Sichtweise ist die Kernkomponente von Web 2.0.
Interessanterweise ist das Web 2.0 damit zwar eine ideelle Weiterentwicklung von "Web 1.0", dennoch aber sehr nah an den ursprünglichen Ideen, die Web-Erfinder Tim Berners-Lee einst definierte, bevor im Internet-Boom Unternehmen das Web mit Unmengen von statischen Websites füllten und es kaum mehr als weitere "Plakatierungsform" ansahen. Fairerweise muss man an dieser Stelle jedoch erwähnen, dass die technischen Möglichkeiten der frühen Webbrowser und auch der Programmieransätze wirkliche Interaktion mit Benutzern nur sehr schwer ermöglichten und es in den ersten Jahren an allen Ecken und Enden auch an den "richtigen" Leuten fehlte, die das neue Medium Internet und World Wide Web richtig einschätzen konnten.
Web 2.0 Konzepte
Dem Thema Web 2.0 nähern wir uns am besten mit einem Blick auf die Kernkonzepte, die Web 2.0 und Web-2.0- Anwendungen ausmachen:
- Mitwirkbarkeit
Kernkonzept von Web-2.0-Anwendungen ist die Mitwirkbarkeit des Benutzers. Die klassische Web-2.0-Anwendung stellt lediglich ein Gerüst für Inhalte dar, die später der Benutzer liefert und pflegt. Mit einer genügend großen Benutzerbasis entsteht auf diese Weise ein erstaunlich enges Netzwerk, dass untereinander die eingegebenen Inhalte pflegt und beispielsweise mit so genannten Tags auszeichnet, die eine Recherche von Fotos anhand von definierten Stichworten ermöglicht. - Nutzerfreundlichkeit
Web-2.0-Anwendungen sollen sich durch nutzerfreundliche Bedienung auszeichnen. Der Maßstab hierbei ist ein zwar computer- und internet-affiner Benutzer, der jedoch kein Programmierer ist. Der Bedienungsfreundlichkeit und der schnellen Interaktion zwischen Benutzer und System wird deshalb ein hoher, wenn nicht gar der höchste, Stellenwert eingeräumt. - Wirtschaftlichkeit
Durch Partnerprogramme und stichwortbasierte Werbung können selbst kleinere und eher exotische Web-Angebote Einnahmen abwerfen und sind vor allem nicht mehr abhängig von großen Werbebannervermittlern. Partnerprogramme auf eher exotischen Web-Angeboten unterstützen zu dem das so genannte Long-Tail-Phänomen. Damit ist die Theorie gemeint, dass zukünftig immer mehr Umsätze nicht mit Waren und Dienstleistungen des Mainstreams gemacht werden, sondern mit Produkten in Marktnischen. Beispielsweise könnten Besucher einer Website, die mittelalterliches Leben beschreibt, durch dort angezeigte, stichwortbasierte Werbung gezielt auf Shops geführt werden, die mittelalterliche Musik etc. führen. - Gestaltbarkeit
Der Benutzer soll in Web-2.0-Anwendungen in der Lage sein, seine Arbeitsfläche aktiv nach seinem Bedarf und Geschmack zu gestalten und zu personalisieren. Nicht der Benutzer muss sich stark auf die Anwendung einstellen, sondern das System bietet dem Benutzer die weitgehende Gestaltung der Anwendung an, beispielsweise durch das Hinzufügen oder Abwählen einzelner Funktionsmodule. - Standardisierbarkeit
Der Nutzung von Standards wird ebenfalls ein hoher Stellenwert eingeräumt, da davon unter anderem so Dinge wie die konsequente Trennung von Form (durch Cascading Style Sheets) und Inhalt (ausgezeichnet durch XHTML) abhängen - erforderlich beispielsweise für barrierefreie Websites, aber auch für die Weiterverwendbarkeit von Inhalten. - Weiterverwendbarkeit
Offene Schnittstellen in Web-2.0-Anwendungen sollen die Weiterverwendbarkeit von Inhalten ermöglichen, beispielsweise die so genannte Syndizierung von Inhalten: Anbieter von Inhalten stellen ihre Inhalte über definierte Schnittstellen als XML-formatierte Inhalte anderen Anbietern zur Verfügung, die diese in ihre eigenen Anwendungen integrieren können. Beispielsweise können auf diese Weise Anbieter von Landkarten ihre Karten anderen Anbietern über Schnittstellen zur Verfügung stellen, die diese Karten dann als Basis für Lokalisierungen zur Verfügung stellen. - Medienübergreifbarkeit
Ebenfalls ein wichtiger Baustein ist der konsequente Ansatz, Inhalte medienübergreifend zur Verfügung zu stellen und beispielsweise der immer weiter fortschreitende Mobilität Rechnung zu tragen. So können beispielsweise bei einigen Web-2.0-Anbietern hochgeladenen Fotos Geoinformationen hinterlegt werden, so dass Betrachter anhand dieser Geoinformation und einem Navigationssystem den Standort des Fotos recherchieren und auch besuchen können.
Web 2.0 Kommunikationsformen
Basierend auf der Ideologie "User-generated content" kommt Web 2.0 auch mit neuartigen Kommunikationsformen daher, die ihren Schwerpunkt vor allem auf der Mitwirkbarkeit haben, dem Publizieren eigener Inhalte auf einfachste Weise ohne die Notwendigkeit Inhalte programmieren zu müssen:
- Weblog, kurz auch: Blog
Weblogs sind einfache Content-Management-Systeme (siehe auch Content Management Systeme), die dafür ausgerichtet sind, eine Art Online-Tagebuch abzubilden. Der Autor eines Weblogs, im Jargon als "Blogger" bezeichnet, veröffentlicht auf diese Weise Begebenheiten zu bestimmten Themen oder auch einfach nur seine Befindlichkeiten und hat die Möglichkeit, seine Einträge thematisch zu kategorisieren. Charakteristische Merkmale von Weblogs sind außerdem Kommentarfunktionen zu Blog-Artikel und abonnierbare News-Feeds, letzteres um Änderungen und neue Weblog-Artikel mit einem RSS-Feedreader lesen zu können.Abgewandelte Formen von Weblogs finden sich in folgenden Unterarten:
- Podcast (Kunstwort aus dem Namen des beliebten Audio-Player "iPod" und dem Wort "Broadcast")
Podcasts stellen einzelne Audiodateien bereit, die im Sinne eines Radiobeitrages heruntergeladen und angehört werden können. Die Idee dabei ist, dass Podcasts abonniert und die Audiodateien dann beispielsweise auf einen mobilen Audio-Player synchronisiert werden können. Diese Audiodateien lassen sich dann zum Beispiel während einer Zugfahrt anhören. - Video-Podcast, kurz auch: Vodcast
Vodcasts ähneln Podcasts, haben jedoch als unterscheidendes Merkmal nicht nur auditive, sondern audiovisuelle Beiträge. Diese können entweder auf einem Computer, aber auch auf mobilen Video-Playern betrachtet werden.
- Podcast (Kunstwort aus dem Namen des beliebten Audio-Player "iPod" und dem Wort "Broadcast")
- Wiki (abgeleitet aus dem hawaiianischen Begriff "Wikiwiki", zu Deutsch: "schnell")
Wikis bestehen aus einer Ansammlung von Hypertext-Seiten, die ebenfalls mit einem auf dem Server installierten Content-Management-System bearbeitet werden können. Im Gegensatz zu Weblogs sind Wikis jedoch auf Kollaboration, also auf Zusammenarbeit, ausgelegt und stellen eine Plattform dar, auf der jeder Interessierte mitschreiben kann. Durch Modellierung entsprechender Informationsräume lassen sich mit Hyperlinks untereinander vernetze Hypertext-Seiten erstellen und auch ganze Themenbereiche. Nach diesem Prinzip funktioniert die derzeit größte Wissenssammlung auf Wiki-Basis, die Wikipedia. Das Wiki-Prinzip eignet sich jedoch für praktisch alle Arten von Wissenssammlungen, beispielsweise für ständig gepflegte Projekthandbücher, unternehmensinterne Wissensdatenbanken oder beispielhaft auch für so genannte Stadtwikis (siehe weiterführende Links am Ende der Seite). - Soziale Netzwerke
Auf sozialen Netzwerken basieren Websites, in denen der Benutzer aktiv tätig sein und eigene Inhalte liefern kann. Das kann zum Beispiel ein Kontaktnetzwerk (beispielsweise XING) sein, aber auch ein Online-Fotoalbum (siehe Flickr), ein Online-Videoarchiv (siehe YouTube) oder eine Gruppenkarte (siehe Frappr!). Kennzeichnend für soziale Netzwerke sind die Möglichkeiten, Inhalte untereinander zu verlinken und zu benutzerunabhängigen Gruppen zusammenzufassen. Ein festes Charakteristikum sozialer Netzwerke ist das so genannte Tagging, also das Versehen von Inhalten mit kennzeichnenden Metadaten, um auf diese Weise das Suchen und Gruppieren zu ermöglichen. Dies ist ein Schritt zum so genannten Semantische Web, bei dem Inhalte gleichermaßen für Mensch und Maschine lesbar sind. - Web Services
Web Services sind Dienste und Programme, die von einem Dienstanbieter bereitgestellt und auch dort betrieben werden. Der Betreiber einer Website, der Web Services anbietet, übermittelt entsprechende Parameter an den Dienstanbieter, der diese verarbeitet und die Ergebnisse wiederum an den Betreiber der Website zurücksendet, damit dieser diese Ergebnisse verarbeiten kann. Ein solches Beispiel ist die Landkarte von Frappr! (den Link finden Sie unten). Diese wird als Web Service bereitgestellt (in diesem Fall von Yahoo), während die Daten der Inhalte, die auf der Karte dargestellt werden sollen, von Frappr geliefert und auch dort gespeichert werden. Ähnlich verhält sich das mit Informationsdiensten, die über so genannte Gadgets auf dem Desktop abgelegt werden und Informationen über das Internet abrufen, beispielsweise die Wettervorhersage.
Web 2.0 Technologien
Alle eingesetzten Technologien haben eines gemeinsam: Sie sind nicht wirklich neu mit der Web-2.0-Bewegung entstanden, sondern bestanden bereits vorher. Zusammen mit den Bedienkonzepten, die Web-2.0-Anwendungen ausmachen und auch durch die Propagierung dieser Technologien durch Hersteller, Diensteanbieter und nicht zuletzt durch Buchverlage und Programmierer selbst, haben diese Technologien weitgehend erst durch die Web-2.0-Bewegung ihren Stellenwert erlangt, den sie heute innehaben.
- Extensible Markup Language (XML)
XML ist inzwischen in der Web-Entwicklung fest als einheitliches Datenaustauschformat etabliert und auch Basis des Datenaustausches innerhalb von Web-2.0-Technologien. Herausgegriffen seien hier deshalb die hauptsächlich genutzten XML-Formate:
- Resource Description Format (RDF)
Mit RDF werden Inhalte in einem für maschinen lesbaren Format beschrieben, die ansonsten nur sehr schwer automatisiert beschrieben werden können, beispielsweise audiovisuelle und multimediale Inhalte; nur ein Mensch sieht auf einem Foto mit blauem Himmel und einem roten Ball genau dies. RDF übernimmt die Aufgabe, diese zusätzlichen Informationen zu bestimmten Inhalten einheitlich aufzunehmen. - Really Simple Syndication (RSS)
RSS ist ebenfalls ein XML-Format und dient zur Syndizierung von Inhalten. Im Grunde genommen handelt es sich hierbei um eine einfache, XML-formatierte Textdatei, die vom Benutzer abonniert werden kann, um Neuigkeiten eines Angebotes zu erfahren. Wird eine Neuigkeit in diese RSS-Datei eingetragen, erhält der Benutzer diese Neuigkeit beim nächsten Abruf dieser Datei (siehe hierzu auch den RSS-Feed von netplanet). Mit solchen Feeds ist es möglich, Inhalte verhältnismäßig einfach in andere Projekte zu integrieren. - Atom
Atom ist ebenfalls ein XML-Format zur Syndizierung von Inhalten und wird häufig als Nachfolger von RSS angesehen, da RSS teilweise uneinheitlich von verschiedenen Entwicklergruppen weiterentwickelt wurde. Dazu kam, dass Atom speziell auch auf die Eigenheiten von Weblogs eingehen sollte. Die Herkunft des Begriffes stammt aus einem kleinen Wettbewerb unter den Entwicklern. Die Grundaufgabe und Arbeitsweise von Atom entspricht jedoch derselben, wie die von RSS. - SOAP (ursprünglich Simple Object Access Protocol)
SOAP ist ein XML-Format, um auf einem entfernten Rechner über das Internet Programmbefehle zu übermitteln, die direkt dort ausgeführt werden, so genannte Remote Procedure Calls. Mit SOAP ist es möglich, so genannte Web Services anzusprechen, das sind elektronische Dienste, die mit einem URL im Internet angesprochen werden können und die bestimmte Dienstleistungen zur Verfügung stellen, beispielsweise eine Kreditkartenprüfung. Mit SOAP können die Kartenparameter an so einen Web Service übermittelt werden. Der Web Service würde dann anhand der Parameter die Gültigkeit der Kreditkarte überprüfen und mit einer ebenfalls SOAP-formatierten Antwort der Anwendung grünes Licht erteilen.
- Resource Description Format (RDF)
- Asynchronous JavaScript and XML (AJAX)
AJAX ist eine Technik für den asynchronen Datenaustausch zwischen einer HTML-Seite und einem Webserver und basiert auf einer Programmierschnittstelle namens XMLHttpRequest, die in modernen Webbrowser integriert ist. Mit AJAX ist es möglich, Inhalte bei Bedarf bzw. bei Benutzerinteraktion vom Webserver nachzuladen, ohne dass die HTML-Seite selbst noch mal komplett vom Webserver abgerufen werden muss. Dies macht sich vor allem in der Bedienfreundlichkeit bemerkbar, da so ein Großteil der Interaktionen zwischen Anwendung und Benutzer ablaufen können, ohne dass die Web-Seite, auf der die Interaktion stattfindet, jedes Mal neu geladen werden muss. Dem Benutzer kann so das Gefühl gegeben werden, mit einem richtigen Programm zu arbeiten.
Die Zukunft des Semantischen Webs, oder: Web 3.0?
Zweifellos wird sich das World Wide Web auch zukünftig weiterentwickeln und auch die Wahrnehmung der Benutzer dabei verändern. Ob diese Weiterentwicklungen sich eindeutig als "Version 3.0" abgrenzen lassen können und später einmal tatsächlich als "Web 3.0" bezeichnet werden können, sei erst einmal dahingestellt und als Fragestellung für zukünftige Web-Generationen definiert.
Weitgehend unbestritten sind die schon heute laufenden Bemühungen, das Web semantisch zu ordnen, also Inhalte mit Formaten zu beschreiben und auszuzeichnen, so dass diese Inhalte auch von Maschinen bewertet werden können. Während das bei einfachem Text in Grundzügen relativ einfach ist (jede Suchmaschine lebt davon, Textinhalte zu bewerten), beginnen die Probleme jedoch schon bei mehrdeutigen Wörtern. Beispielsweise wird schon folgender Satz eine Maschine völlig überfordern:
Die Maus steuert einen Zeiger auf dem Bildschirm.
Während der menschliche Computerbenutzer aus seiner Erfahrung heraus weiß, dass mit "Maus" eine Computermaus gemeint ist und nicht der lebendige Pendant aus der Fauna, hat ein Computer diese Erfahrung erst einmal nicht. Mit einer zusätzlichen, unsichtbaren Beschreibung des Begriffes "Maus" als "Computermaus" und "Zeiger" als "Mauszeiger" wäre es nun für einen Computer möglich, zu "verstehen", um was für eine Maus es sich hier handelt.
Noch viel komplexer wird das Problem der Semantik bei Nicht-Texten, beispielsweise Fotos, Videos oder Audiodateien. Deren Inhalte automatisiert zu klassifizieren, ist auch heute noch ein äußerst schwieriges Unterfangen und nur in einfachen Szenarien zuverlässig möglich. Schon die Unterscheidung eines roten Kreises in einem Foto ist für einen Computer kaum lösbar, während ein sehender Mensch in der Regel sehr einfach zwischen einem roten Ball, einem roten Heißluftballon oder einer Tomate unterscheiden kann.
Die Idee des Semantischen Webs geht jedoch weiter mit der Bildung von taxonomischen Hierarchien und Vernetzung dieser Hierarchien zu Ontologien. Taxonomische Hierarchien sind hierarchisch aufgebaute Klassifizierungen. Beispielsweise könnte eine Taxierung eines (fiktiven) Fotos eines roten Balles vor einem blauen Himmel folgendermaßen aussehen:
Himmel
- blau
- hellblau
- ohne Wolken
Ball
- rot
- signalrot
- Durchmesser 30 Zentimeter
- Kunststoff
Diese Taxierung dieses fiktiven Fotos kann im Rahmen einer Bilderdatenbank nun in einer ontologischen Datenbank einfließen, die wiederum logische Beziehungen zulassen könnte. So könnte eine übergreifende Datenbank gebildet werden, die explizit die Suche nach einem 30 Zentimeter großen, signalroten Ball vor einem blauen Himmel ermöglichen könnte.
Genau diese erweiterten Recherchemöglichkeiten wären der größte Punkt des Semantischen Webs. Information könnte, unabhängig von der Darreichungsform oder dem Medium, universell und sinnvoll katalogisiert und logisch miteinander verknüpft werden und damit komplexeste Recherchen ermöglichen, vor allem auch in der Form, wie der Mensch Fragen stellt.



